WAS IST EIN HÜHNERGOTT

Kleiner Hühnergott beziehungsweise Lochstein
Kleiner Hühnergott

Ein Hühnergott ist ein Stein mit einem natürlich entstandenen (mehr oder weniger großem) Loch darin. Daher wird er auch gerne Lochstein genannt. Es handelt sich dabei um einen Flint-, bzw. Feuerstein (Feuersteinknolle). In der Fachsprache heißen diese Steine Paramoudra, doch sind damit aber eher die richtig großen Lochsteine gemeint, die auch unter dem Namen "Saßnitzer Blumentöpfe" bekannt sind. So ein Teil kann schon mal einige Zentner auf die Waage bringen.

WIE ENTSTEHT DAS LOCH IM HÜHNERGOTT ?

Großer Hühnergott beziehungsweise Lochstein

Der "richtige" Hühnergott ist eine sogenannte Feuersteinknolle bei deren Entstehung Einlagerungen (z.B. der Stängel einer Seelilie oder Kreide) eingeschlossen wurde. Da diese Einlagerungen nicht die Härte des Steins haben, wird über die Zeit dieser "weiche" Teil quasi herausgewaschen. Die Größe des dabei entstandenen Loches kann ziemlich variieren, von Stecknadelkopfgröße bis zu ein paar Zentimeter. 

WOHER KOMMT DER NAME HÜHNERGOTT ?

Verschiedene Hühnergötter

Kurz gesagt, aus der nordischen, römischen und aus der slawischen Mythologie.

 

Im slawischen dienten  im Geflügelstall aufgehängte Lochsteine der Abwehr des bösen Einflusses der sogenannten Kikimora, einem weiblichen Hausgeist (Poltergeist).

 

Im nordischen wird der Begriff Hühnergott mit Hünen und Hünengräbern in Verbindung gebracht. Eine andere mögliche Erklärung ist aber auch der Zusammenhang mit dem nordischen Gott Thor oder Donar. Das Huhn hat in der Mythologie eine enge Verbindung zum Donnergott. Um die Eier vor Blitz und Donner zu schützen, wurden die „Hühnergötter“ vor oder in den Stall gehängt oder gar in die Nester gelegt, um die Legefreudigkeit der Hennen zu steigern.

 

Im römischen wurde Aradia, die messianische Tochter der römischen Göttin Diana und des römischen Gottes Luzifer, auf die Erde geschickt, um die Lehren der Hexen zu verbreiten. Dazu steht in dem Buch* „Aradia. Die Lehre der Hexen. Mythen, Zaubersprüche, Weisheiten, Bilder“ auf Seite 35, ich zitiere: „Einen Stein mit einem Loch darin zu finden, bedeutet ein besonderes Zeichen der Gunst Dianas. Derjenige, dem dies geschieht, soll den Stein in seine Hand nehmen und nachdem er die vorgeschriebene Zeremonie eingehalten hat, das Folgende wiederholen: 

 

Ich habe einen Stein mit einem Loch auf dem Boden gefunden.

Oh Schicksal! Ich danke dir für diesen glücklichen Fund,

Auch dem Geist, der ihn mir auf dieser Straße

Geschenkt hat, gehört mein Dank;

Und möge er mir Gutes tun Und mir Glück bringen!  

*  "Aradia. Die Lehre der Hexen. Mythen, Zaubersprüche, Weisheiten, Bilder" von Leland Charles Godfrey, ISBN: 3881670475

 

BRINGEN HÜHNERGÖTTER GLÜCK

Leibhaftiger Hühnergott (Huhn mit Heiligenschein)
Der leibhaftige Hühnergott

Später kam der Glaube hinzu, ein Hühnergott bringe auch dem Menschen Glück. Mir scheint, dass ein jeder in irgendeiner Form an Glücksbringer (Talisman) glaubt. Die einen mit kindlicher Offenheit,  andere heimlich, evtl. noch garniert mit mürrischer Verbissenheit. Aber wehe dem, ein ungläubiger findet ein vierblättriges Kleeblatt, ich sage Dir!

 

Alljährlich wandern Urlauber mit Argusaugen am Strand entlang. Sie sind auf der Suche nach Bernsteinen, Donnerkeilen, versteinerten Seeigeln oder eben Steinen mit einem Loch. Alle diese Steine sollen Glück bringen, aber ohne Glück lassen sie sich gar nicht erst finden. Wenn solche Funde dann im Guten verschenkt werden, teilt sich das Glück, so sagt man jedenfalls. Ein blinzelnder Blick durch das Loch eines Hühnergottes soll zudem einen Wunsch erfüllen. Ich glaube, ich schaue da irgendwie immer verkehrt durch oder ich muss es doch mal mit dem Spruch aus dem Buch „Die Lehre der Hexen“ probieren.

 

Versteinerter Seeigel in Feuersteinknolle
Versteinerter Seeigel

ALBFÜSSE, DRUDENSTEIN, SCHRATENSTEIN, TRUTELSTEIN, HEXENSTEIN UND KROTTENSTEIN

Besonders den Steinen mit Loch werden noch heute geheimnisvolle Kräfte zugeschrieben. Sie gelten als Mittel des Gegenzaubers wider allerlei Unheil. Auf Rügen hat man durch Lochsteine gemolken, damit die Milch nicht verdirbt. ln anderen Regionen wurden die Kiesel mit Loch gegen schlechte Träume getragen oder haben, im Dachstuhl verborgen, das Haus vor Blitzschlag geschützt. Für Steine mit Loch gibt es daher im Volksmund der verschiedenen Regionen die unterschiedlichsten Bezeichnungen: Drudenstein, Schratenstein, Trutelstein, Krottenstein, Hexenstein oder Albfüße sind hierfür weit verbreitete Beispiele. Alle beschreiben das gleiche auffällige und nicht ganz häufige Naturprodukt.

 

…wie auch immer, auf jeden Fall viel „Glück“ beim Suchen.

 

 

Last, but not least: Fischer nutzten früher größere Lochsteine als Senksteine für ihre Netze und Reusen. Kleinere Lochsteine wurden auch als Beschwerung für die Kettfäden des Handwebstuhls genutzt.


Leuchtturm Bovbjerg Fyr in Dänemark
Leuchtturm Bovbjerg Fyr

TIPP: Solltest Du mal an Dänemarks Westküste Urlaub machen und ganz heiß auf's Hühnergott sammeln sein, dann fahre doch mal zum Leuchtturm von Bovbjerg. Von dort wanderst Du den (befestigten) Wanderweg oben auf der Steilküste zur Kirche von Trans (ca.2 Km; kann man vom Leuchtturm aus sehen). Dort steigst Du die Treppe hinunter zum Strand. Unten angelangt, den Such- und Sammelmodus einschalten und am Strand wieder zurück Richtung Leuchtturm. Dort geht dann wieder eine steile Treppe (mit gefühlten 1000 Stufen) nach oben (wo sich leider kein Beatmungsgerät befindet). Bisher jedenfalls sind wir dort immer gut fündig geworden.

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HÜHNERGÖTTER
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NORDATELIER,   Claudia Hagge,   An den Reesenbetten 4,   24782 Büdelsdorf

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